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<title>Commandaria</title>
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<p><b>Commandaria</b>, <a href="Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">griechisch</a> <b>Koumandaría</b> (Κουμανδαρία), ist eine <a href="Weinbauregion" title="Weinbauregion">Weinbauregion</a> auf der <a href="Mittelmeer" title="Mittelmeer">Mittelmeerinsel</a> <a href="Zypern" title="Zypern">Zypern</a> und zugleich der Name eines zypriotischen <a href="Wein" title="Wein">Weines</a>, eines meist <a href="Aufspritung" class="mw-redirect" title="Aufspritung">gespriteten</a> <a href="S%C3%BCdwein" class="mw-redirect" title="Südwein">Südweines</a>. Der auch „Commendaria“ genannte Wein kann Ähnlichkeiten mit einem süßen <a href="Sherry" title="Sherry">Sherry</a> aufweisen. Seine Geschichte geht angeblich bis in die <a href="Antike" title="Antike">Antike</a> zurück. Bereits <a href="Hesiod" title="Hesiod">Hesiod</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> gibt Anweisungen, wie Wein aus getrockneten Trauben herzustellen ist (<a href="Strohwein" title="Strohwein">Strohwein</a>), er bezieht sich aber nicht auf eine spezifische Region.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Während des <a href="Dritter_Kreuzzug" title="Dritter Kreuzzug">Dritten Kreuzzuges</a> eroberte <a href="Richard_L%C3%B6wenherz" title="Richard Löwenherz">Richard Löwenherz</a> Zypern und heiratete dort <a href="Berengaria_von_Navarra" title="Berengaria von Navarra">Berengaria</a>, die Tochter von <a href="Sancho_VI." title="Sancho VI.">Sancho VI von Navarra</a>. Bei der Hochzeit soll Commandaria ausgeschenkt und von Richard ausdrücklich gelobt worden sein. Nach dem Fall <a href="Akko" class="mw-redirect" title="Akko">Akkos</a> und der <a href="Zitadelle_(Akkon)#Geschichte" title="Zitadelle (Akkon)">Johanniterkommende dort</a> richteten die <a href="Geschichte_des_Johanniterordens" title="Geschichte des Johanniterordens">Johanniter</a> in <a href="Kolossi" title="Kolossi">Kolossi</a>, etwa 20 Kilometer nördlich von <a href="Limassol" title="Limassol">Limassol</a>, eine <a href="Kommende#Kommenden_der_Ritterorden" title="Kommende">Kommende (frz. commanderie)</a> ein. 1306 gehörte die Burg Kolossi den <a href="Templerorden" title="Templerorden">Tempelrittern</a>, die hier ihr neues <a href="Hauptquartier" title="Hauptquartier">Hauptquartier</a>, die <i>Große Kommende</i> einrichteten, die später, nach dem Verbot der Tempelritter und ihrer Enteignung von den <a href="Geschichte_des_Johanniterordens" title="Geschichte des Johanniterordens">Johannitern</a> übernommen wurde. Vom Worte „commanderie“ stammt der Name des Gebietes und des dort hergestellten Weines. Die Johanniter begannen, den Wein in größeren Mengen zu exportieren und an den europäischen Fürstenhöfen bekannt zu machen. Besonders nach <a href="Wien" title="Wien">Wien</a> wurden jährlich große Mengen geliefert. Vermarktet wurde dieser Wein schon im ausgehenden Mittelalter als Commandaria, womit dieser zypriotische Wein der älteste Markenwein der Welt sein könnte. Das langwährende britische Mandat über Zypern begründete die Beliebtheit dieses Weines in Großbritannien.
</p><p>Der Wein wurde auch medizinal gebraucht. Gegen <a href="Gelbsucht" class="mw-redirect" title="Gelbsucht">Gelbsucht</a> wurden drei Zweige der <a href="Alraune_(Kulturgeschichte)" title="Alraune (Kulturgeschichte)">Mandragora</a> in Commandaria eingeweicht, während man ein spezielles Gebet sprach. Davon trank der Kranke jeden Morgen drei Schluck<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Region_und_Reben">Region und Reben</h2></div>
<p>Weine, die den Namen Commandaria tragen dürfen, stammen aus einer relativ kleinen Weinbauregion nördlich von Limassol an den südlichen Abhängen des <a href="Troodos-Gebirge" title="Troodos-Gebirge">Troodos-Gebirges</a>. Die Region umfasst 14 Gemeinden; produziert wird der Wein sowohl von lokalen Winzern als auch von großen Kellereigenossenschaften, die ihre Keller und Produktionseinrichtungen in Limassol haben. Die Rieden befinden sich zwischen 600 und 900 Metern Höhe auf steinigem, kargem Untergrund; die Reben werden traditionell in Buschform <a href="Reberziehung" title="Reberziehung">gezogen</a> und dürfen nicht <a href="Bew%C3%A4sserung" title="Bewässerung">bewässert</a> werden. Bestockt sind etwa 2000 Hektar.
</p><p>Zugelassen zur Produktion des Commandaria sind zwei <a href="Autochthone_Art" title="Autochthone Art">autochthone</a> <a href="Rebsorte" title="Rebsorte">Rebsorten</a>, die rote <a href="Kypreiko" title="Kypreiko">Kypreiko</a>, die auf Zypern <i>mavro</i> (<a href="Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">griechisch</a>: μαύρο „schwarz“) genannt wird und die weiße <a href="Xynisteri" title="Xynisteri">Xynisteri</a>. Schon bei der Lese müssen die Trauben sehr hohe (über 230 Gramm/Liter) <a href="Mostgewicht" title="Mostgewicht">Zuckergrade</a> enthalten; durch die anschließende Trocknung der Trauben auf Strohmatten oder Folien steigt der Zuckergehalt auf über 400 Gramm. Die Trauben werden getrennt gepresst und vergoren, traditionell in großen, zum Teil in der Erde vergrabenen Tonkrügen, in den großen Kellereien jedoch in Edelstahl-Gärtanks. Nach dieser zwei bis vier Monate dauernden Gärzeit werden die Jungweine meist zu gleichen Teilen verschnitten, mit Weingeist auf 15 bis 20 <a href="Volumenprozent" title="Volumenprozent">Volumenprozent</a> aufgespritet und in großen Eichenfässern <a href="Oxidativer_Wein" title="Oxidativer Wein">oxidativ</a> ausgebaut. Gelegentlich kommt noch ein Alterungssystem zur Anwendung, das dem <a href="Criadera_und_Solera-System" class="mw-redirect" title="Criadera und Solera-System">Solera-System</a> nicht unähnlich ist und auf Zypern <i>Mana-Methode</i> genannt wird. Auch dabei wird die aus den Fässern der untersten Lage auf Flaschen gezogene Menge durch Jungweine aus oberen Fasslagen ergänzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wein">Wein</h2></div>
<p>Nach der Aufspritung lagern die Jungweine in Eichen-, gelegentlich auch in Kastanienfässern mindestens zwei Jahre lang, meist aber länger. Sie kommen in verschiedenen Flaschentypen auf den Markt, häufig solchen, die <a href="Cognac_(Branntwein)" class="mw-redirect" title="Cognac (Branntwein)">Cognac</a>-Flaschen oder <a href="Portwein" title="Portwein">Tawny</a>-Port-Flaschen ähneln, gelegentlich auch in <a href="Bocksbeutel" title="Bocksbeutel">Bocksbeuteln</a>.
</p><p>Der Commandaria ist ein alkoholstarker, extraktreicher, fast cremiger Süßwein. Je nach Mischungsverhältnis der Grundweine und Ausbau ist er dunkel bernsteinfarben bis dunkelrötlichbraun. Der Commandaria ist ein sehr eigenwilliges Produkt, das am ehesten mit einem süßen <a href="Pedro_Xim%C3%A9nez" title="Pedro Ximénez">Pedro Ximénez</a> etwa aus <a href="Montilla-Moriles" title="Montilla-Moriles">Montilla-Moriles</a> zu vergleichen ist. Viele der in den Handel kommenden Weine sind eher Durchschnittsprodukte, denen es an Raffinesse und Differenziertheit mangelt; sie sind schwer, süß und plump, ohne auf dem Gaumen nachhaltige Geschmacksnuancen entwickeln zu können. Einige sorgfältig hergestellte Weine jedoch verdienen durchaus Beachtung und können bei der immer vorhandenen Süße (Restzucker etwa 180 Gramm/Liter) neben einer ausgeprägten Kaffeenote vielfältige Aromen von Trockenfrüchten, Kirschen und Waldbeeren entwickeln. Ein Commandaria ist praktisch unbegrenzt haltbar; auch geöffnet erhält bei kühler Lagerung über Monate seine Trinkqualität. Er sollte gekühlt aus Sherry- oder Likörgläsern getrunken werden. Einige Gläserproduzenten haben eigene Commandaria-Gläser auf den Markt gebracht. Der größte und zugleich älteste zypriotische Produzent, Etko, hat sich unter anderem auf Commandaria-Weine spezialisiert und bietet auch viele ältere Jahrgänge in überdurchschnittlicher Qualität an.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Roger Voss: <i>Pocket Guide to Fortified and Dessert Wines</i>. Mitchel Beazley 1989. ISBN 978-0-85533-698-1</li>
<li>F. Paul Pacult: <i>Kindred Spirits: The Spirit Journal Guide to the World's Distilled Spirits and Fortified Wines</i>. Hyperion Books 1997. ISBN 978-0-7868-8172-7</li>
<li>Stephen Brook: <i>Liquid Gold: Dessert Wines of the World</i>. Constable 1987. ISBN 978-0-09-466920-8</li>
<li><a href="Horst_Dippel" title="Horst Dippel">Horst Dippel</a> (Hrsg.): <i>Das Weinlexikon</i>. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24501-X</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Werke_und_Tage" title="Werke und Tage">Werke und Tage</a>, 609–617</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Kypros Chrysanthis, The Magic Numbers Three, Seven and Seventy-Two in Cypriote Folk-Medicine. Folklore 57/2, 1946, 80</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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